29.10.2008 15:56

Der Mittelstand steht für nachhaltiges Handeln

Interview in der Sonderbeilage der Zeitschrift PRReport 10/2008 mit Ralph Jacoby zum Thema "Nachhaltigkeit im Mittelstand" (in Auszügen)

Stuttgart, 29.10.2008: Zum Thema Nachhaltigkeit wird in den Medien vorwiegend über und mit Großunternehmen diskutiert. Und der Mittelstand? Dort werden in Deutschland weitaus mehr Menschen beschäftigt als in Großkonzernen. Als Garant des wirtschaftlichen Aufschwungs und Motor deutscher Exportweltmeisterschaft ist der Mittelstand überdies global orientiert und damit auch ein wesentlicher Teil der Nachhaltigkeitsanstrengungen. Wie denkt der mittelständische Unternehmer darüber, und wo liegen seine Motive? Wir sprachen hierüber mit dem auf den Mittelstand spezialisierten Unternehmensberater Ralph Jacoby, ehemals Finanzvorstand der Bertrandt AG und Mitbegründer des Human Capital Clubs in München.

 

Herr Jacoby, was verbindet der Mittelstand mit dem Begriff „Nachhaltigkeit“?

Aus meiner Sicht ist das eine Mischung aus Langfristigkeit und familiärer Bindung, die dem Unternehmen häufig als roter Faden dient. Nachhaltigkeit bedeutet in diesem Sinne auch ein Engagement für die Zukunftssicherung unserer Kinder in Deutschland. Das heißt, die Orientierung erfolgt über Generationen. Darüber hinaus liegt darin ein starkes Bewusstsein für die Mitarbeiter, sprich soziales Bewusstsein.

 

Worin äußert sich das?

Es besteht häufig eine langjährige persönliche Beziehung zu den Mitarbeitern. Die Unternehmer sind selbst bei den Betriebsversammlungen dabei, um die Unternehmensstrategie und ihre Motive zu erläutern. Das sind Menschen, die das Risiko und die Verantwortung tragen, und aufgrund dessen fühlt der mittelständische Unternehmer, gerade bei Veränderungsprozessen, auch vielfach eine andere soziale Verpflichtung als angestellte Manager.

 

Würden Sie daher der These beipflichten, dass der mittelständische Unternehmer eher geneigt ist, sich nachhaltig zu engagieren, als ein angestellter Konzernmanager?

Der mittelständische Unternehmer ist es eher gewohnt. Für ihn ist es gelebte Praxis. Für Unternehmerfamilien ist die Lebensplanung eng verknüpft mit dem Wohlergehen der Unternehmung. Damit ist zwangsläufig ein langfristiges Interesse auch zum Wohle der Mitarbeiter vorhanden.

 

Woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass viele Mittelständler ihre Vorzüge nicht kommunizieren?

Das ist historisch gewachsen. Lange Zeit galt im Mittelstand „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“. Langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass Reden auch Gold wert sein kann. Und Mittelständer stellen fest, dass in der komplexer gewordenen Welt Marketingkommunikation an Bedeutung gewinnt, um das Unternehmen gezielt und qualifiziert zu präsentieren, zum Beispiel auch deshalb, um die Fluktuationsbereitschaft von Kunden und Lieferanten zu schmälern.

 

Ist das Thema Nachhaltigkeit für den Mittelstand Belastung, oder zeichnen sich dort auch viele Chancen ab?

Ausgehend von der Komplexität und den vielfältigen Regelungen insbesondere in Bezug auf die ökologische Komponente ist es eher ein Belastungsfaktor, da auch die Qualität des Managements dem zunehmend gewachsen sein muss. Das Thema soziale Verantwortung hingegen hat der Mittelstand schon immer gelebt.

 

Herr Jacoby, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

 

Das vollständige Interview finden Sie hier als PDF.